Schadenfreiheitsrabatt

Bei Versicherungsverträgen in der Kraftfahrzeughaftpflicht- und Vollkaskoversicherung (KH- und VK-Versicherung) richtet sich die Prämienzahlung danach, in welcher Schaden- oder Freiheitsrabattklasse (SF-Klasse) sich der Vertrag befindet.

Die Voraussetzungen für die Einstufung werden dabei für beide Versicherungsarten unabhängig von einander ermittelt.
Auf Grund der Freigabe des europäischen Versicherungsmarktes besteht für jeden Versicherer die Möglichkeit ohne behördliche Genehmigung eigene Kfz-Versicherungsbedingungen zu verwenden und die Prämien frei zu kalkulieren. Gerade für Fahranfänger, die sich noch nicht 3 Jahre im Besitz der Fahrerlaubnis (Führerschein für Fahrzeuge mit Versicherungskennzeichen zählt nicht mit) befinden, lohnt sich ein Vergleich der stark abweichenden Versicherungstarife.

Weitere Einstufungskriterien: „unechte“ Fahranfänger, Ehegatten, Zweitwagen

Die meisten Versicherer sehen vor, dass ein Vertrag in die nächst höhere Schadenfreiheitsklasse eingestuft wird, wenn er von Anfang bis Ende des vergangenen Kalenderjahres ununterbrochen bestanden hat und kein Schaden gemeldet worden war, der zu Entschädigungsleistungen oder Rückstellungen des Versicherers geführt hat. Die überwiegende Anzahl der Versicherer sieht die Einstufung in die nächst günstigere Klasse dann vor, wenn der Vertrag in der Zeit vom 02.01-01.07. eines Jahres begonnen hat und für mindestens 6 Monate Beitrag gezahlt wurde.
Bei einer Unterbrechung von bis zu 6 Monaten sehen die Gesellschaften zumeist von einem abweichen von der vorstehenden Regelung ab. Unterbrechungen von längerer Dauer wirken sich jedoch auf den Schadenfreiheitsrabatt aus.

Ein Großteil der Unternehmen nimmt bei der Unterbrechung bis zu einem Jahr eine Einstufung wie zum Zeitpunkt der Unterbrechung vor, jedes weitere angefangene Jahr bewirkt die Rückstufung um eine SF-Klasse und nach maximal 7 Jahren erfolgt wieder die Einstufung in SF ½.
Gilt eine Vertrag nicht als schadenfrei, so wird er für das auf die Schadenmeldung folgende Kalenderjahr zurückgestuft.
Auch hier unterscheiden sich die Tarifbedingungen.
Die sich auf Grund des Schadensverlauf ergebende neue Beitragssatz wird erst bei allen im folgenden Kalenderjahr zu leistenden Prämienzahlung ab Fälligkeit wirksam, also nicht unbedingt zum 1. Januar des folgenden Kalenderjahres.
Bei der Teilkasko gibt es keine SF-Klassen, so dass Zahlungen des Versicherers keinen Einfluss auf die Einstufung bei der Haftpflicht und der Vollkasko haben.
War bei einem Unfall nur das eigene Fahrzeug beschädigt worden, erfolgt die Rückstufung auch nur bei der in Anspruch genommenen Vollkasko nicht bei der Haftpflichtversicherung. Umgekehrt hat eine Klassenveränderung bei der KH-Versicherung keinen Einfluss auf die VK-Versicherung.
Fast alle Versicherer räumen den Versicherungsnehmern in den Versicherungsbedingungen zum KH-Versicherung die Möglichkeit ein Schadenzahlungen an den Versicherer zurückzuzahlen. Die Grenzen dieser Rückzahlung müssen den verschiedenen Tarifwerken entnommen werden. Im Gegensatz zum KH-Schaden kann der Versicherungsnehmer seinen Schadenfreiheitsrabatt bei der VK-Versicherung grundsätzlich (einige Versicherer machen auch hier Ausnahmen / haben andere Regelungen) nicht durch Rückzahlung des vom Versicherer erhaltenen Schadenbetrages zurückerhalten.
Starke Abweichungen gibt es auch bei der Übertragung von schadenfreien Zeiten auf eine andere Gesellschaft oder auf eine andere Person. Hier ist vorab das Vertragswerk detailliert zu prüfen sowie beim Gesellschaftswechsel die Bescheinigung des ursprünglichen Versicherer über die schadenfreien Zeiten / Schadenfälle abzufragen.
Zur Beantwortung weiterer Fragen stehe ich Ihnen gern zur Verfügung